Am 4. Dezember 2024 zogen sechs Tux-Zillertaler Kühe in das Winterquartier des Wild Solution Parks ein – eine robuste, alte Rinderrasse aus Tirol. Ihre Haltung folgt dem Prinzip der natürlichen Kreisläufe: keine prophylaktische Entwurmung, dafür ein wertvoller Beitrag zur Artenvielfalt. Der Kuhfladen dient zahlreichen Insekten als Lebensraum, fördert die Bodenqualität und unterstützt so die biologische Vielfalt im Naturpark Leiser Berge. Die Tiere sind ein wichtiger Teil des ökologischen Weideprojekts – und ein lebendiges Beispiel für natürliche Anpassung und nachhaltige Landschaftspflege.
Keine Entwurmung – ein bewusster Schritt für mehr Vielfalt
Ein häufiges Thema, das bei der extensiven Tierhaltung Fragen aufwirft, ist die Entwurmung. Unsere Kühe wurden bewusst nicht prophylaktisch entwurmt. Eine Entwurmung erfolgt bei uns nur im Fall eines tatsächlich festgestellten starken Befalls. Der Grund: Der natürliche Kuhfladen ist ein bedeutender Bestandteil eines funktionierenden Ökosystems – ein kleines Biotop für zahlreiche Insektenarten.
In wenigen Tagen wird ein frischer Fladen von Mistkäfern, Schwebfliegen, Dungfliegen und anderen spezialisierten Arten besiedelt. Diese zersetzen ihn rasch, tragen die organischen Bestandteile zurück in den Boden und fördern damit den Humusaufbau. Die schnelle Zersetzung sorgt auch dafür, dass unangenehme Gerüche kaum entstehen – ganz im Gegensatz zu Stallmist aus intensiver Tierhaltung, der häufig lange offen liegt und Nährstoffe in die Luft abgibt.
Robustheit durch Anpassung
Tux-Zillertaler Kühe sind von Natur aus widerstandsfähige Tiere. Sie kommen mit Parasiten deutlich besser zurecht als hochgezüchtete Nutzrassen. Der Grund liegt in ihrer Haltung: Diese Tiere sind es von Geburt an gewohnt, mit einem gewissen Parasitenaufkommen zu leben. Sie verfügen über ein stabiles Immunsystem und regulieren den Befall teilweise selbst – unter anderem durch das instinktive Fressen kleiner Mengen bestimmter Pflanzen, die für sie selbst ungiftig, für Parasiten jedoch schädlich sind.
Dieses Verhalten mag auf den ersten Blick befremdlich wirken. Doch es ist keineswegs unnatürlich. Auch heimische Wildtiere wie Rotwild, Wildschweine oder Hasen leben mit Parasiten – und das völlig ohne medizinischen Eingriff. Viele von ihnen sind dabei gesünder als so manches Haus- oder Nutztier, das unter permanentem Entwurmungs- oder Medikamentendruck steht.
Ein Beitrag zur natürlichen Kreislaufwirtschaft
Die Tux-Zillertaler Kühe sind also nicht nur Landschaftspfleger, sondern auch Teil eines größeren ökologischen Zusammenhangs. Ihr Dung fördert die Insektenvielfalt, die wiederum Vögeln, Amphibien und Kleinsäugern als Nahrungsquelle dient. Die Tiere helfen durch ihr Weideverhalten zudem dabei, die Fläche nährstoffärmer und damit artenreicher zu machen – eine wichtige Voraussetzung für das Gleichgewicht im Wild Solution Park.
Wir freuen uns, dass diese besonderen Rinder nun Teil unseres Projekts sind. Ihre Anwesenheit bringt nicht nur Leben in die Landschaft, sondern auch ein Stück verloren gegangenes Wissen über natürliche Zusammenhänge zurück.